Demo Kesselsdorfer: auch unser kleine Schwester kämpft erfolgreich
23.10.2018 14:47:38

Aktionstag am 26. Oktober

An der Kesselsdorfer Straße wiederholt sich unsere Geschichte in Zeitraffer: erst passiert jahrelang nichts, dann werden uralte Pläne aus dem Hut gezaubert (natürlich autofreundlich und mit extremen Fahrbahnverbreiterungen), dann regt sich Widerstand, die Politik wird zu einen Variantenvergleich gezwungen ... und siehe da, es gibt weitaus bessere Möglichkeinten, die Kesselsdorfer wirklich zu einem benutzbaren Boulevard zu gestalten.

All das hat auf der Königsbrücker Jahrzehnte gedauert. Auf der Kesselsdorfer nur paar Monate. Nun aber steht die Entscheidung im Stadtrat kurz bevor - und wie es aussieht, immernoch mit einem vierspurigen Ausbau zwischen Wernerstraße und Rudolf-Renner Straße! Daher haben lokale Bürgerinitiativen für den 26. Oktober von 16:00 bis 19:00 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Stadtplatz (Höhe Kessesldorfer 25) aufgerufen.

Wir als Bürgerinitiative "Königsbrücker muss leben!" sind sehr froh, dass wir als eine der Urmütter der Bürgerinitiativen für eine schöne und moderne Stadt- und Straßengestaltung gefragt wurden, ob wir uns an der Aktion beteiligen wollen. Wir sind sehr dankbar für diese Anfrage und wir werden uns gerne einbringen: um 18:00 Uhr spannen wir unser Straßenbanner über die Kesselsdorfer, um die geplanten Dimensionen der aktuellen Planung anschaulich zu demonstrieren. Die lokalen Initiativen werden dann auch ein Banner spannen, um eine echte "Zeitenwende" in der Stadtplanung einzufordern.

Wir sehen uns am Freitag, 26.10, an der Kesselsdorfer!

Homepage der Kesselsdorfer: www.boulevard-loebtau.de


Hintergrund:

Die Kesselsdorfer Straße hat eine sehr lange Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht [1]. Lange Zeit war sie eine Verbindungsstraße zwischen Dresden und den Bergbauregionen um Freiberg. August der Starke ließ die "Kesselsdorfer" dann als Postkutschenstraße ausbauen. Napoleon gab ihr später den heutigen "Chaussee-Charakter" - und mit dem wachsenden Dresden wurde die Kesselsdorfer dann im 20. Jahrhundert zu einer wichtigen Geschäfts- und Einkaufsstraße. Gegen Ende des 20. Jahrhundert wurden jedoch die Anzahl der Autos immer mehr, sodass die Kesselsdorfer einen Teil ihres "Wesens" verlohr.

Daher wurde in den 1990er Jahren eine bereits in der DDR vorgesehene Tangente - die Coventrystraße - gebaut. Bereits damals war das Ziel, den Durchgangsverkehr von der Kesselsdorfer wegzuleiten und den "Boulevardcharakter" - und somit die Funktion der Kesselsdorfer als Geschäfts- und Einkaufsstraße - wiederherzustellen. Die Kesselsdorfer sollte ein Begegnungsraum mit Aufenthaltsqualität und urbaner Funktion werden. Hierzu war schon damals geplant, den ersten Teil beginnend an der Tharandter Straße auf ca. 150m als autofreie "Zentralhaltestelle" zu gestalten. Dieser Teil wird glücklicherweise momentan umgesetzt.

Anfang des neuen Jahrtausends (bis 2004) wurde dann der nächste Abschnitt bis hinter die Rudolf-Renner-Straße geplant. Diese uralten Planungen zeigen natürlich die damals übliche einseitige Fixierung auf den Autoverkehr: Überall Autos, große Kreuzungen, verbeiterte Straße (westlich Wernerstraße vierspurig!), schmale Gehwege, kein Platz für Auslagen, Bänke, Fahrradbügel oder Bäume. Und all dies, obwohl die Coventrystraße jetzt einen Großteil des Durchgangsverkehrs übernahm.

Die Planungen von 2004 wurden dann allerdings in die Schublade gelegt. Nichts passierte. Doch plötzlich, im Februar 2018, musste dann alles angeblich ganz schnell gehen. Die alten Planungen sollten innerhalb von einem Monat durch Ortsbeirat und Stadtrat geprügelt werden - ohne die heutigen Bedarfe einzuarbeiten, ohne die Menschen vor Ort zu fragen, ohne große Diskussion.

Wir leben aber in 2018, und die Ansprüche an Stadt- und Verkehrsplanung haben sich stark verändert: Platz, Bäume, Aufenthaltsqualität - ein funktionierendes Ortsteilzentrum - ist heute für die Menschen essentiell. Und so haben sich schnell mehrere Initiativen im politischen und gesellschaftlichen Raum gebildet und gegen die alten Baupläne protestiert.

Mit Erfolg! Der Baubürgermeister hatte die Notwendigkeit einer öffentlichen Diskussion erkannt und eine Einwohnerversammlung einberufen. Ein erster sehr großer Erfolg für die Initiativen. Auf der Einwohnerversammlung wurden die Wünsche sehr deutlich formuliert: autofrei bis Wernerstraße und viel weniger Autos zwischen Werner- und Rudolf-Renner Straße. Insbesondere keine Verbreiterung der Straße auf vier Spuren. Dieses deutliche Zeichen konnte dann auch die Stadtpolitik nicht ignorieren. Der Bauausschuss ließ Alternativplanungen in Auftrag geben, welche die Anregungen der Einwohnerversammlung beinhalteten. Der zweite große Erfolg der Initiativen.

Nun liegen die Ergebnisse der Untersuchungen vor:

1. Eine autofreie Kesselsdorfer bis zur Wernerstraße ist nicht nur möglich, sie ist städtebaulich, verkehrlich und auch für die DVB die beste Lösung. Dies ist ein unglaublicher Erfolg der von den Initiativen eingeforderten Einwohnerversammlung (man fragt sich nur, warum die Stadt nicht von alleine auf diese geniale Idee gekommen ist). Nun gilt es, diese Variante auch politisch durchzusetzen. Die Beschlüsse dazu fallen jetzt im November [2]. Eine Mehrheit im Stadtrat scheint möglich, ist aber noch nicht sicher.

2. Die Vermeidung einer Verbreiterung der Kesselsdorfer zwischen Wernerstraße und Rudolf-Renner-Straße ist ohne "politischen Willen" nicht möglich. Hierzu müsste der Anteil des Durchgangsverkehrs (heute noch ca. 33% aller Autos) weiter gesenkt werden. Dies klingt einfach - ist aber in der in Teilen noch sehr autofixierten Stadt Dresden wirklich keine leichte Aufgabe.

Nun, am 26. Oktober 2018, ist die Forderung der Initiativen und der Menschen bei der Kundgebung: 1) setzt die "autofreie Kesselsdorfer" bis Wernerstraße um! Das ist gut für die Menschen, das ist gut für den Einzelhandel, das ist gut für die Umwelt und das ist gut für die Straßenbahn und den Bus. 2) Senkt den Anteil an Durchgangsverkehr und macht die Kesselsdorfer bis zur Rudolf-Renner-Straße schmaler. Kein vierstreifiger Ausbau!

[1] http://www.dresdner-stadtteile.de/Sudwest/Lobtau/Strassen_Lobtau/Kesselsdorfer_Strasse/kesselsdorfer_strasse.html
[2] http://ratsinfo.dresden.de/to0040.php?__ksinr=7585

Wir habe eine kleine, erfolgreiche Schwester: Kesselsdorfer
23.10.2018 14:13:50

Wir habe eine kleine, erfolgreiche Schwester: Kesselsdorfer
Achtung: Planfeststellung geht bald los
25.06.2018 20:27:32

Wie in der SZ berichtet wird, hat die Stadt nun alle Unterlagen für das Planfestellungsverfahren zusammen. Damit wird dieses wahrscheinlich sehr bald eröffnet. Wenig später öffnet sich dann auch das Zeitfenster, in dem man Eingaben schreiben und an die Landesdirektion richten kann.

Nun gilt es, sich genau zu vergegenwärtigen, was der geplante Umbau eigentlich bedeutet!

  • Bei der jetzigen Planungen wurden die "verkehrlichen" Aspekte in den Vordergrund gestellt - d.h. die jetzige Planung ist auf die Geschwindigkeit der Autos und der Bahn optimiert. Daher ist die Straße breit und der Seitenraum schmal. Die Königsbrücker ist aber ein Ortsteilzentrum! Ihr Sinn ist nicht das Durchfahren, sondern das Ankommen und Verweilen. Für Autofahrten zwischen Norden und Süden stehen mit Hansastraße und Waldschlößchenbrücke zwei gut ausgebaute Alternativen zur Verfügung.

  • Auf dem Abschnitt zwischen Albertplatz und Post wird durch ein eigenes Gleisbett der Bahn die Straßenbreite von heute 10m auf fast 18m verbreitert. Fast alle Vorgärten gehen verloren, viele Bäume fallen und die Gehwege werden extrem schmal. Auf diesem Abschnitt ist kein Leben auf der Königsbrücker möglich.

  • Zwischen Louisenstraße und Bischofsweg wird es relativ hübsch - was massgeblich der Verdienst unserer Bürgerinitiative ist. Allerdings steht auf diesem Abschnitt das Naturdenkmal "Flatterulme", was bei der jetzigen Planung stark in ihrem Erhalt gefährdet ist. Hier müssen definitiv die unterirdischen Leitungen umgeplant und der Schutzraum um die Ulme vergrößert werden.

  • Nördlich des Bischofswegs verschwindet die historische, vierreihige Baumallee für immer! Sie weicht einem eigenen Gleisbett der Bahn. Auf diesem Abschnitt ist eine Verbreiterung der Straß eindeutig gegen die geltenden Baurichtlinien - dort fahren lediglich 14.000 Autos pro Tag. Für so wenig Kfz-Verkehr wird mittlerweile in Dresden überall schmaler gebaut. Die Baumallee wird demnach vollkommen sinnlos für immer verschwinden.

Wenn bald die Zeit für die Eingaben gekommen ist, wird es sehr wichtig sein, dass viele Menschen ihr Unverständnis über diese die Königsbrücker auf 2/3 der Strecke unbrauchbar machende Planung zum Ausdruck bringen und eigene persönliche Eingaben machen.

Wir werden euch weiter Informieren und bald Beispiele für Eingaben bereitstellen - bleibt dran - es ist noch nicht zu spät, die Königsbrücker im Bestand zu sanieren und das Herz zwischen Neustadt und Hechtviertel zu erhalten.

Konstruktiver Workshop als Vorbild für die Zukunft
18.09.2017 23:47:17

Am 18.09 hat die Stadtverwaltung einen Workshop zur Gestaltung von drei Plätzen entlang der Königsbrücker Straße durchgeführt. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontaine, die Leiter von Stadtplanungsamt und Straßen- und Tiefbauamt sowie zahlreiche Mitarbeiter der Stadt waren anwesend und diskutierten mit den Menschen aus der Neustadt und dem Hechtviertel. Und man kann sagen: die Veranstaltung war ein voller Erfolg für alle Seiten.

Über drei Stunden lang wurde angeregt und konstruktiv diskutiert - zunächst in großer Runde, später in drei Arbeitsgruppen. Es war angenehm zu sehen, wie die Ideen der Menschen besprochen und von der Verwaltung aufgenommen worden sind. Hier wurde endlich eine der zentralen Forderungen unserer Bürgerinitiative umgesetzt: nicht allein 'von oben' entscheiden sondern mit den Menschen reden und gemeinsame Lösungen suchen. Bitte mehr davon!

Ziel der Veranstaltung war explizit nur die Platzgestaltung an der Schauburg, dem Hole-Of-Fame und der Post. Zwischen der Post und dem Bischofsweg ist die Königsbrücker auch im Wesentlichen nach den Vorschlägen unserer Bürgerinitiative geplant. Hier ist Seitenraum vorhanden, den man beplanen kann.

Allerdings: Nicht Bestandteil des Workshops waren die Abschnitte nördlich des Bischofswegs und südlich der Post. Hier ist der geplante Straßenzug ja leider weiterhin vierspurig - und eine Gestaltung des Seitenraums für Fussgänger, Radfahrer und kleine Geschäfte eigentlich nicht möglich. Hier ist einfach kein Platz, den man beplanen könnte!

Wir werden daher auch weiterhin dafür eintreten, dass die gesamte Königsbrücker Straße schön und schlank wird - auf der gesamten Königsbrücker wollen wir große Bäume und angenehme Plätze sehen. Nur so kann die Königsrbücker wirklich "leben"!

Bis Ende September können übrigens noch Anregungen direkt an die Stadt per Mail geschickt werden: koenigsbruecker-gestaltung<at>dresden.de

Gut vorbereitet zum Workshop - Gastbeitrag zur Stadtraumgestaltung
14.09.2017 22:53:50

Die Stadt führt am 18.09 von 17:00-20:00 Uhr in der St. Pauli-Ruine einen Workshop für alle interessierten Menschen zur Gestaltung dreier Plätze auf der Königsbrücker Straße (s. vorhergehenden Bericht) durch. Hierzu ist uns ein hoch-interessanter Text mit Ideen und Forderungen geschickt worden (Danke!). Um gut vorbereitet in den Workshop zu gehen, veröffentlichen wir den Text natürlich sehr gerne!


Qualitätsansprüche für die Planung Königsbrückerstraße - Sicht eines Experten mit langjähriger kommunalpoltischer Erfahrung

Von Fritz Halbritter, ehem. Bauauschussvorsitzender am Rande einer Großstadt

Die Königsbrücker Straße ist ein zentraler Lebens- und Verkehrsraum in der Dresdner Neustadt. Reich gegliederte Gründerzeitfassaden säumen diesen Straßenzug und werten ihn zu einem Erlebnisraum auf. Bei der Neuplanung dieses Bereiches muß neben der maßvollen Fahrbahnbreite der gesamte Raum mit Sorgfalt und Liebe zum Detail geplant werden. Nur so kann man den Wert dieses urbanen Raumes erhalten bzw. aufwerten, sodass die Menschen ihn mit Freude aufsuchen.

Dieses Ziel erreicht man, wenn neben der Straße ausreichend Räumlichkeiten mit Aufenthaltsqualität erhalten werden bzw. neu entstehen. So sollten platzartige Räume mit Bäumen, interessantem Mobiliar und evtl. Kunstwerken bzw. Brunnen (z.B. vor der Schauburg) neben der Fahrbahn den Boulevardcharakter der Straße betonen und zum Verweilen einladen. Eine reichhaltige Gliederung des Fußgängerbereiches mit interessanten Akzenten erhöht den Erlebniswert dieses so wichtigen Straßenzuges.

Bei der Ausstattung des urbanen Raumes sollen stadtteilspezifische Formen entwickelt werden, die den Charakter der Neustadt unverwechselbar wiedergeben. Die Neustadt ist ein Viertel voller Jugendlichen mit ihrer Dynamik. Die Jugend hat Drang zur Bewegung, zum Spielerischen und für eine natürliche Lebensweise. Dementsprechend sollte hier der Lebensraum diese Bewegung in seiner Ausstattung wiedergeben. Statt trostloser harten Betonbänke und irgendwelcher starren nichtssagender Zwecklichtmasten (Vgl. Vorplatz Scheune) sollten bewegliche Formen kreativ entstehen. Also Bänke z.B.mit natürlichen Materialen - verspielt und einladend. Auch könnten Leuchten mit Jugendstilelementen Ausdruck einer bewegten und verfeinerten städtischen Kultur sein.

Hierzu muß individuelles Material von engagierten Handwerkern in aussagekräftige Formen gebracht werden und nicht, wie bisher, dass gesichtslose Industrieware den Straßenraum verunstaltet. Hierdurch würde die Neustadt sich auch als Künstlerviertel präsentieren und Identifikationsmerkmale schaffen (solche Arbeiten werden im Übrigen auch durch Dresdner Stiftungen gefördert; z.B. die Haltestellengestaltung Tierpark oder die Zufahrt Panama).

Zu der Raumgestaltung gehört auch ein vernünftiges Lichtkonzept mit naturnahen Akzenten. Der Fußgängerbereich sollte nicht zentral zusammen mit der Fahrbahn DIN-gerecht vollkommen ausgeleuchtet werden, weil dann die Intimität dieser Bereiche verloren geht (wie z.B. Bautzner Straße Ecke Glacisstraße). Eine Überspannung der Fahrbahn und eine individuelle Beleuchtung für die wichtigsten Fußgängerbereiche ist die bessere Lösung, da dadurch natürlichere Lichtverhältnisse entstehen. Denkbar ist auch, dass interessante Leuchtkörper (evtl. auch Kandelaber) den Straßenraum bereichern, da sie eine fußgängergerechte, maßstäbliche Bezugsgröße haben und von Besuchern als angenehm empfunden werden. Haushohen Lichtmasten mit ihrem technischen Licht erinnern im Gegensatz dazu eher an eine Gewerbeparkausleuchtung und sind gestaltlos.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Neugestaltung der Königsbrücker Straße eine Chance ist, harmonischen und städtischen Raum zu bewahren und nachhaltig zu ergänzen. Es ist unsere Pflicht mit besonderer Sorgfalt das urbane Erbe zu bewahren und für künftige Generationen zu beleben - mit besten Wissen und Gewissen, damit unsere Stadt nicht stadtgestalterisch verarmt, sondern ein Ort der Lebendigkeit, Vielfalt und Kreativität bleibt bzw. wieder wird.

Fritz Halbritter, Dresden 12.09.2017
Telefon: 0049 172 8460069
e-mail f.halbritter@yahoo.de
Durchgeführte Projekte in Dresden:
Überplanung des Laubegaster Ufers mit Gestaltungskonzeption (ehrenamtlich), Gestaltung der Zufahrt Kinderbauernhof Panama (Metall und Leuchten, ehrenamtlich)


Ältere Artikel gibt es in unserem Archiv